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Wenn die Seele verhungert
Magersucht und Bulimie
Magersucht –auch „Anorexia nervosa“ genannt – entsteht zwischen dem 10. und dem 24. Lebensjahr, meistens sind es Mädchen, die im Alter von 12 bis 16 damit anfangen. Innerhalb von wenigen Monaten hungern sich die Betroffenen auf ein extremes Untergewicht herunter. Meist zieht sich die Erkrankung über den Zeitraum von einem halben bis zu einem Jahr hin, häufig genug geht es über zwei Jahre lang. Ab einem BMI (Body Mass Index) von 17,5 zeigen sich erste körperliche Folgen, teilweise hungern sich die Erkrankten mit Hilfe von Medikamenten oder extrem viel Sport auch auf einen BMI von nur 15 oder gar 13, bis sie wirklich nur noch Haut und Knochen sind.
So errechnet sich der BMI:
BMI = Körpergewicht / Körpergrösse² (kg/m²), also Körpergewicht in kg geteilt durch die Körpergröße im Quadrat.
Im Gegensatz zu Magersüchtigen sieht man Ess-Brech-Süchtigen ihre Erkrankung nur selten an, weil sie nicht automatisch untergewichtig sind. Die Bulimie lässt sich leichter verheimlichen, nach außen scheint alles perfekt, tatsächlich leben die Erkrankten jedoch in einem gefährlichen Wechselspiel von Essattacken und Erbrechen, das peinlichst verborgen wird - man schämt sich für die Fressanfälle. Bei diesen Heißhungerattacken stopfen sie 7.000-8.000 Kalorien in sich hinein (in Kilo sind das bis zu 6 kg an Nahrungsmitteln!), nur um diese dann möglichst schnell wieder loszuwerden. Normalgewichtige Bulimiker leben auf diese Weise bis zu fünf Jahren, bis sie eine Therapie beginnen.
Trotz dieser Unterschiede sind die Grenzen zwischen Magersucht und Bulimie fließend: oft beginnt die Essstörung mit einer Magersucht, die in eine Bulimie wechselt oder umgekehrt nach einer Bulimie kommt es zur Magersucht – daher stellen wir beide Krankheitsbilder auch gemeinsam vor.
Magersucht - die Sucht, mager zu sein
- Innerhalb weniger Monate kommt es zu einem absichtlich selbst herbeigeführten Gewichtsverlust von 15 bis 20 % vom Ausgangs- oder Normalgewicht.
- Das Gewicht wird reduziert durch verringerte und streng kontrollierte Essenszufuhr, extreme körperliche Aktivität teilweise ergänzt durch selbst herbeigeführtes Erbrechen oder Abführen oder durch Einnahme von Medikamenten (Appetitzügler, Abführmittel).
- Ab einem BMI von unter 17,5 ernsthafte gesundheitliche Folgen, Störungen des Hormonhaushalts im fortgeschrittenen Stadium.
- Typisch ist auch die ständige gedankliche Beschäftigung mit Essen, Gewicht und Figur.
- Ebenso die Störungen der eigenen Körperwahrnehmung – trotz Untergewicht halten sich die Betroffenen für zu fett, haben eine krankhafte Angst vor Gewichtszunahme.
- auch charakteristisch: eine fehlende Krankheitseinsicht
Bulimie - die Ess-Brech-Sucht
- Eine krankhafte Angst vor dem Dicksein, übermäßige Beschäftigung mit dem Thema Gewicht.
- Eine unwiderstehliche Gier nach Nahrungsaufnahme und unkontrollierbare Zufuhr großer Mengen kalorienreicher Nahrungsmittel.
- Anschließend das Rückgängig-Machen der Kalorienaufnahme durch selbst herbeigeführtes Erbrechen und/oder Medikamente (Appetitzügler, Abführmittel, Entwässerungsmittel) und/oder Fasten/Diäten und/oder extreme körperliche Betätigung.
- Mindestens zwei Essattacken pro Woche über einen Zeitraum von zwei Monaten.

