Anfang Inhaltsbereich:
Du hörst nie zu!
Zoff zu Hause mit den Eltern, Ärger mit Lehrern oder Stress mit Chefs, böses Blut zwischen Geschwistern, die Nervereien vom Nachbarn, Spannungen in der Clique, ein Streit mit der besten Freundin, Diskussionen mit dem Partner – Konflikte gibt es immer und überall und früher oder später liegt jeder einmal mit seiner Umwelt im Clinch.
Kein Problem. Denn Konflikte haben auch etwas Positives: Mit ihnen klären wir unsere Wünsche und Bedürfnisse, mit ihnen setzen wir unseren Standpunkt fest oder bekommen umgekehrt die Grenzen der anderen aufgezeigt, mit ihnen geben wir auch unseren Enttäuschungen Ausdruck und schließlich können wir über das Austragen von Konflikten versuchen, eine Veränderung zu unseren Gunsten zu erreichen.
Standpunkte oder Veränderungen
In der Regel finden sich zwei Arten von Auseinandersetzungen: zum einen streitet man über die eigene Meinung, über eigene Werte, über die eigene Sicht der Dinge. Bei diesen Anlässen ist es nicht unbedingt wichtig, eine Entscheidung oder eine Veränderung zu erzielen. Geht es zum Beispiel um die Frage, ob dieser oder jener Lehrer ein guter oder ein schlechter Pädagoge ist, so dürfen am Ende durchaus die zwei gegensätzlichen Meinungen vom Anfang stehen bleiben.
Und dann gibt es Konflikte, bei denen es tatsächlich um ein Ergebnis, eine Entscheidung, eine Veränderung geht. Hier geht es in viel stärkerem Maße darum, die eigenen Ziele zu erkämpfen, daher wird in diesen Fällen oft sehr viel verbissener und mit härteren Bandagen gekämpft. Wenn die Frage im Raum steht, ob der Discobesuch ausnahmsweise einmal bis nach Mitternacht gehen darf, dann muss in dieser Frage bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (vermutlich nachmittags) eine Entscheidung getroffen worden sein. Umso schöner, wenn diese Entscheidung dann gleichzeitig eine Einigung ist.
Macht - oder macht nix?
Damit kommt nämlich die nächste Frage ins Spiel: die Rangordnung der Konfliktparteien. Konflikte mit dem Partner oder Freund/inn/en unterscheiden sich wesentlich von Konflikten zwischen Eltern und Kind, zwischen Chef und Angestelltem: weil bei letzteren ein klares Machtgefälle besteht, muss eine konstruktive Lösung nicht zwingend gefunden werden, schließlich kann der Überlegene den Streit mit einem Machtwort beenden.
Das ist natürlich nicht immer die konstruktivste Lösung.
Andererseits ist es aus der Sicht des Unterlegeneren auch falsch, alle Konflikte unter den Teppich zu kehren, nur weil die Lösung nicht so einfach in den Schoß fällt. Vielleicht wäre dann die richtige Lösung, einfach neue Konfliktlösungsstrategien auszuprobieren und zu lernen, Konflikte offener, sachlicher und lösungsorientierter auszutragen. Und dann, auch ohne Macht zu haben, durch überzeugende Argumente die Auseinandersetzung für sich zu entscheiden.

